Tag Archiv für unbeliebte Studiengänge

Beliebte und unbeliebte Studiengänge im Vergleich

Die Qual der Wahl: Studiengänge die beliebt sind, sind auch oft überlaufen...

Zwischen Fachkräftemangel und extremer Spezialisierung – Beliebte und unbeliebte Studiengänge im Vergleich

Die Auswahl an Studiengängen steigt stetig – 18.044 verschiedene Studienfächer zählt die Hochschulrektorenkonferenz zum Wintersemester 2015/16, davon entfällt mit 8.298 etwas mehr als die Hälfte auf Bachelor-Angebote. Zum Vergleich: 10 Jahre zuvor waren noch rund 11.000 verschiedene Studienfächer im Angebot. Wirtschaft und Industrie spezialisieren sich aufgrund des technologischen Wandels mehr und mehr. Vor diesem Hintergrund steigt auch die Anzahl an sehr speziellen Studienrichtungen.
Vor 20 Jahren noch kaum denkbar, kann man heute – genau abgestimmt auf die persönlichen Interessen – exakt studieren, was man möchte. So weit in der Theorie. Doch was bedeutet das für die späteren Abschlusschancen?

Macht viel Auswahl die Auswahl auch wirklich einfacher? Und vor allem: Welche Studiengänge sind denn eigentlich die Spitzenreiter in Sachen Beliebtheit? Wie werden Bachelor-Studien wie beispielsweise „Provinzialrömische Archäologie“ überhaupt angenommen?

Spitzenreiter und Exoten

Schaut man sich die Zahl der Studienanfänger im Wintersemester des vergangenen Jahres an, so sind die beliebtesten Fächergruppen wenig überraschend: Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften rangieren zusammengefasst weit an der Spitze: Rund 170.000 Studierende begonnen im Wintersemester 2014/2015 ein Studium in diesem Bereich. Auf dem zweiten Platz sind die Ingenieurswissenschaften vertreten, darauf folgen Mathematik und naturwissenschaftliche Studiengänge (107.358; 87.194). Erwartungsgemäß bestehen hierbei Unterschiede zwischen den Geschlechtern, so werden diese Studienrichtungen noch immer von deutlich mehr Männern als Frauen belegt. Ein umgekehrtes Bild ergibt sich bei den weiteren folgenden Studiengängen auf der Beliebtheitsskala.
Bei den Sprach- und Kulturwissenschaften mit insgesamt 85.287 Studienanfängern und, weiter abgeschlagen, Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften mit rund 25.000 Erstsemestern schreiben sich deutlich mehr Frauen als Männer ein.
Ein genaueres Bild ergibt sich bei der Betrachtung der einzelnen Studiengänge und der Zahl der aktuell Studierenden in diesen Bereichen. Die fünf beliebtesten Studiengänge sind, zahlenmäßig betrachtet:

  • Betriebswirtschaftslehre (231.787 Studierende)
  • Maschinenbau/-wesen (119.102 Studierende)
  • Rechtswissenschaft (109.605 Studierende)
  • Informatik (94.916 Studierende)
  • Wirtschaftswissenschaften (90.748 Studierende)

Darauf folgen Medizin, Germanistik und Elektrotechnik. Interessant sind aber auch die Studiengänge mit der geringsten Zahl an Studierende: Nur 6 Studierende belegten Kaukasistik, danach folgen Baltistik, Markscheidewesen, Kerntechnik und mit immerhin 29 Studierenden Sorbisch.

Zusammenfassend zeigt sich, dass sich insbesondere die klassischen Studienfächer, wie BWL und Ingenieurswissenschaften, nach wie vor einer großen Beliebtheit erfreuen. Dies lässt sich vor allem durch das breite Einsatzspektrum der Absolventen erklären, zahlreiche Spezialisierungen existieren in diesen Fächern insbesondere in weiterführenden Masterstudiengängen. Doch auch vermeintlich „brotlose Künste“ wie Germanistik werden nach wie vor von vielen Studierenden belegt. Exotische Studiengänge sind erwartungsgemäß schwach vertreten, naturgemäß existiert für diese Fächer auch nur ein sehr geringer Bedarf auf dem Arbeitsmarkt.

Insgesamt gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Die Wahl des Studiengangs richtet sich vor allem nach den persönlichen Interessen, nicht zuletzt sind jedoch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt ein entscheidendes Kriterium bei der Entscheidung. Insgesamt bestehen für Hochschulabsolventen gute Arbeitsmarktchancen, die Arbeitslosenquote für Akademiker allgemein liegt mit rund 2 Prozent weiter unter dem Durchschnitt.
Je nach Studienrichtung bestehen natürlich verschiedene Anforderungen an Absolventen beziehungsweise sind die Chancen abhängig von fachlichen Besonderheiten: Ein Master-Abschluss ist vor allem in den Naturwissenschaften sehr zu empfehlen, hier hat sich der Bachelor-Abschluss noch vergleichsweise schlecht etabliert.
BWL-Studenten sind vielfältig einsetzbar und daher stehen die Jobchancen hier recht gut, aufgrund der Diversifikation der Wirtschaft allgemein gilt es jedoch auch hier, beispielsweise durch die Wahl einer Fachvertiefung, das eigene Profil zu schärfen. Studiengänge aus dem Bereich Ingenieurswissenschaften, hierzu zählen unter anderem Bauingenieurswesen, Elektrotechnik und Maschinenbau, sind stark gefragt, es besteht seit vielen Jahren ein Nachwuchsmangel.
Absolventen eines ingenieurswissenschaftlichen Studiengangs werden aufgrund des von der Wirtschaft stark thematisierten Fachkräftemangels, gute Chancen für den Einstieg auf dem Arbeitsmarkt prognostiziert. Ähnlich sieht es bei den Medizinern aus: Auch hier wird ein zunehmender Schwund an Medizinern prognostiziert, weshalb die Chancen – auch im Ausland – als sehr gut angesehen werden.
Spezielle Studiengänge oder auch eine geisteswissenschaftliche Ausrichtung des Studiums bedeuten nicht zwangsläufig, dass die Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlecht sind.
Man sollte sich als Studierender darüber im Klaren sein, dass die Jobs auf dem Arbeitsmarkt in diesem Bereich begrenzt sind. In diesem Fall empfiehlt sich vor allem die Schärfung des eigenen Profils, beispielsweise durch das Sammeln von Praxiserfahrung.
Denn unabhängig von der Beliebtheit des angestrebten Studiengangs ist auch der Fit zur eigenen Persönlichkeit und dem individuellen Lebenslauf ausschlaggebend.
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