Was ist ein Sabbatical?

Sabbatical - Ein Aufbruch in ein Abenteuer
Ein Sabbatical, auch Sabbatjahr genannt, ist eine einjährige Auszeit vom Berufsleben. Der Begriff ist an die Bibel angelehnt. Dort bezeichnet das Sabbatjahr (oder Sabbatical, die in den USA gebräuchliche Bezeichnung) ein Jahr der Ruhe für das Ackerland, um die Ressourcen der Erde nicht bis zum Letzten zu verbrauchen. Des Weiteren ist das Sabbatjahr in der Römisch-katholischen Kirche der Zeitraum zwischen zwei Heiligen Jahren. Linguistisch gesehen entstand das Wort Sabbat dem hebräisch sabat, welches soviel wie „mit etwas aufhören“ oder „innehalten“ bedeutet.

Ein Jahr ganz für sich

Viele Menschen nutzen das freie Jahr, um zu entspannen, neue Energie zu tanken und danach mit mehr Motivation und Kreativität erneut im stressigen Berufsleben durchzustarten. Insbesondere in der heutigen Zeit, in welcher die Diagnose Burnout immer häufiger gestellt wird, wollen viele diesem Problem vorbeugen und einen Gang runterschalten, bevor es zu spät ist. Andere wiederum nutzen die Zeit, um im Ausland zu reisen und/oder zu arbeiten oder sich beruflich neu- bzw. umzuorientieren und entsprechende Maßnahmen wie Weiterbildungen zu ergreifen.

Ein Sabbatjahr ist insbesondere für Berufstätige geeignet, die mit ihrem Job nicht oder nicht mehr zufrieden sind und unter starkem Stress leiden, aber auch genug Ersparnisse haben, und dadurch für diese zwölf Monate nicht auf ein volles Gehalt angewiesen sind.

Das Konzept des Sabbatical stammt ursprünglich aus den USA. Dort ist es schon längst fest im Berufsleben verankert, während es sich im Rest Europas erst nach und nach durchsetzt. Hierzulande muss man leider häufig mit schiefen Blicken rechnen, wenn man andeutet, ein Sabbatjahr einlegen zu wollen. Auch heute noch wird den betreffenden Person Faulheit oder mangelnde Belastbarkeit unterstellt. In Dänemark, den Niederlanden und Finnland hingegen wird das Ganze sogar staatlich gefördert.

Manche Arbeitgeber unterstützen ihre Angestellten sogar bei der Planung eines Sabbatjahres. Kommen diese mit mehr Motivation und Leistungsstärke aus der Auszeit zurück und können durch einen Aufenthalt im Ausland sogar neue interkulturelle Kompetenzen vorweisen, ist dies auch für das Unternehmen lohnenswert.

Sabbatical – typisch Beamte?

Wer eine solche Auszeit einnehmen will, sollte am besten Beamter sein. Diese haben nämlich häufig die vertraglich geregelte Möglichkeit, für einige Zeit nur einen Teil des eigentlich Gehaltes zu beziehen, um den Rest dann in der arbeitsfreien Zeit zu bekommen. Deshalb ist das Jahr wohl auch bei beamteten Lehrern so beliebt. In einem Zeitraum von zwei bis zu sechs Jahren können zwei Drittel bis sechs Siebtel des Gehaltes ausgezahlt werden. Eine andere Möglichkeit ist das Sammeln von Überstunden, die dann in das freie Jahr einfließen. Aber auch für Lehrer und Angestellte im öffentlichen Dienst gibt es Gesetztesgrundlagen, die das Planen eines Sabbatjahrs vereinfachen. Auch längere Beurlaubungen sind eine Option.

Ganz einfach ist das Nehmen der Auszeit aber in keinem Fall. Mit Hürden und viel Vorarbeit muss gerechnet werden. Es gibt zwar ein Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung von flexiblen Arbeitszeiten und eine Regelung für befristete Arbeitsverträge und Teilzeitarbeit, doch das letzte Wort hat immer der Arbeitgeber, denn er ist nicht verpflichtet, dem Wunsch nach einem Sabbatical nachzukommen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass dies in größeren Unternehmen oder Institutionen meist einfacher ist, da diese den Wegfall eines Mitarbeiters in der Regel besser auffangen können als kleinere.

Planung ist alles

Während Beamte, Lehrer und Angestellte des öffentlichen Dienstes nur einen entsprechenden Antrag stellen müssen, bedarf es in allen anderen Berufen doch etwas mehr Vorlaufzeit. Hier muss erst noch verhandelt werden, Angestellte müssen eine Regelung finden, in der Arbeitszeit und Gehalt angespart werden können.

Generell ist der finanzielle Aspekt meist die größte Hürde. Wird ein Arbeitsmodell gewählt, bei welchem weniger Gehalt ausgezahlt wird, um die Auszeit dann ohne arbeiten zu müssen und mit der Auszahlung des ausstehenden Lohns zu überbrücken, muss dies weit im Voraus mit dem Arbeitgeber geplant werden.

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Ist dies nicht möglich und der Betreffende muss während des Sabbatjahrs in Teilzeit arbeiten, muss auch dies entsprechend vertraglich geregelt werden. Mögliche Optionen sind hier ein Jahresarbeitszeitvertrag mit sozialversicherungstechnischen Schutz, der ein festes Einkommen sichert. Hier könnte man zum Beispiel vier Jahre Vollzeit und anschließend ein Jahr Teilzeit arbeiten, dabei aber durchgehend den gleichen Lohn beziehen. Natürlich müssen auch laufende Kosten, wie Miete und Versicherungen, weiterhin gezahlt werden, auch wenn man vielleicht ein Jahr lang im Ausland ist.

Versicherung im Sabbatjahr

Auch die Versicherungssituation muss während des Sabbatical geplant werden.

Bei unbezahlten Urlaub über einem Monat kümmert sich nicht mehr der Arbeitgeber um die Sozialversicherung, sondern die betreffende Person. Bei einem Auslandsaufenthalt außerhalb Europas ist zudem eine Auslandsversicherung im Krankheitsfall nötig.

Vom Wechsel von einer gesetzlichen zu einer privaten Krankenkasse für die Zeit des Sabbatjahrs ist aber abzuraten, da ein erneuter Wechsel in einer gesetzliche Krankenkasse nicht ganz einfach ist und es dann schnell mal teuer werden kann. Wer bereits privat versichert ist, sollte versuchen, mit dem zuständigen Sachbearbeiter einen passenden Tarif für die Auszeit zu finden.

Wer während der Auszeit Teilzeit arbeitet, bleibt weiterhin über den Arbeitgeber kranken-, arbeitslosen– und rentenversichert. Man sollte aber beachten, dass die Rentenversicherungsbeiträge für die Zeit, in der nur Teilzeit gearbeitet wird, gestrichen werden könnten.

Checkliste

Folgende Dinge sollten unbedingt vorab geklärt werden:

  • Dauer und Beginn der Auszeit
  • Mögliches Ansparen von Arbeitsstunden
  • Ende des Sabbatjahrs und Bedingungen der Rückkehr in den Beruf
  • Kündigungs- und Insolvenzschutz während der arbeitsfreien Zeit
  • Finanzierung des Sabbaticals
  • ggf. Kündigung von Abonnements und ähnlichem
  • Abklären von Versicherungsangelegenheiten
  • Besprechung und Planung der Auszeit mit der Familie
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