Ranking der Bildungseinrichtungen: Wo steht die deutsche Fachhochschule?

Ranking der Universitäten und Fachhochschulen
Im Zuge der Umstellung der deutschen Hochschulen auf Bachelor- und Masterprogramme, wurde rasch die Notwendigkeit erkannt, die Hochschulen untereinander in ein Ranking einzuordnen. Einflussreiche Rankings, wie etwa das Times Higher Education World University Ranking, oder das Academic Ranking of World Universities, welches als Wegbereiter der universitären Rankings gilt, setzen dabei häufig eine Methode ein, die auf der Anzahl von Veröffentlichungen und Zitierungen in Veröffentlichungen anderer basiert.

So ist es nicht weiter verunderlich, dass Fachhochschulen auf besagten Listen überhaupt nicht erst auftauchen. Denn Fachhochschulen wurden ursprünglich als reine Lehreinrichtungen konzipiert. Zwar ist inzwischen ein Forschungsauftrag in den Landeshochschulgesetzen festgeschrieben, dennoch wird in Fachhochschulen vergleichsweise weniger geforscht, obwohl die Absolventen dieselben Qualifikationen erwerben.

 

Das Problem mit der Forschung

Dies hat mehrere Gründe. Zum einen erhalten Fachhochschulen kein Promotionsrecht, anders als Unitversitäten und technische Universitäten. Das bedeutet, dass erfolgreiche Absolventen eines Master-Studiums ihre Doktorwürde nicht an einer Fachhochschule erwerben können. Damit fehlt den Fachhochschulen das wichtige personelle Rückgrat der universitären Forschungsarbeit. Des Weiteren wird es Fachhochschul-Professoren zwar theoretisch ermöglicht, einen Teil der Zeit, die für Lehre verwendet wird, für Forschung umzuwidmen. Jedoch erweist es sich in der Praxis als schwierig, Ersatzdozenten für den drohenden Ausfall der Lehrveranstaltungen zu finden. Auch nicht zu unterschätzen ist, dass Fachhochschulen zwar in der Regel über ausgezeichnet ausgestattete Räumlichkeiten für die Lehre verfügen, in der Forschung ist man hingegen oft weniger gut aufgestellt.

Fachhochschulen, wenn sie denn überhaupt bewertet werden, finden sich in universitären Rankings, wie dem Webometrics Ranking of World Universities, deshalb meist nur auf abgeschlagenen Rängen wieder. Dieses Ranking fokussiert sich auf die Veröffentlichungen im Web, wo es leichter ist, Forschungsarbeiten zu veröffentlichen, als in renommierten wissenschaftlichen Magazinen. Aufgrund des wissenschaftlichen Nutzens, der Sichtbarkeit und des Einflusses der Webveröffentlichungen wird ein Rang ermittelt. Man trifft erst auf Rang 86 national auf die FH Aachen, die erste Fachhochschule in dem Ranking. Dies entspräche International dem Rang 2198 von über 12.000 gelisteten Hochschulen.

 

Was wollen wir beim Ranking messen?

Ist also das Ermitteln von Rängen aufgrund von Forschungsveröffentlichungen der richtige Weg, um ein aussagekräftiges Bild zwischen zwei Hochschulen herzustellen? Was bestimmt den Erfolg einer Hochschule? Die Forschung? Die Lehre? Oder etwas komplett anderes?

Natürlich gibt es auch alternative Modelle, welche Hochschulen nach anderen Methoden ranken. Die Mines ParisTech: Professional Ranking of World Universities zum Beispiel wählt seine Ranglisteninhaber nach der Anzahl an Alumni, die als CEO in den globalen Fortune 500 tätig sind. Über den Nutzen einer solchen Rangliste lässt sich vortrefflich streiten, schließlich sind Inhaber solcher Posten mehrheitlich Absolventen von diversen Wirtschaftswissenschaften, was andere Fachrichtungen, wie beispielsweise Medizin außer acht lässt. Und zu versuchen, eine Beziehung zwischen universitärer Lehre und Forschung auf der einen Seite und Berufserfolg, sowie Führungsfähigkeit auf der anderen Seite herzustellen, erscheint mehr als fragwürdig.

 

Für wen ist das Ranking?

An dieser Stelle sollte auch die Frage erlaubt sein, wem das Aufstellen eines solchen Rankings nützt? Wenn man den Großteil der einflussreichen Rankings überblickt, fällt schnell auf, dass ein überproportionaler Anteil der vorderen Ränge auf amerikanische Universitäten ausfällt. Natürlich sind da die üblichen Kandidaten, wie Harvard, Stanford und MIT, die wahrscheinlich jedermann bekannt sind. Aber auch eher Unbekannte, wie die Universität von Denver. Jetzt könnte man einen gewagten Zusammenhang aufstellen zwischen den horrenden Studiengebühren, die in den USA gezahlt werden müssen und der Notwendigkeit, Studenten für die eigene Universität zu gewinnen. Bei der ein hoher Platz in einem internationalen Ranking sicherlich hilft. Weniger gewagt jedoch wäre der Zusammenhang zwischen dem durch die hohen Studiengebühren bedingten höheren Etats und damit verbundenen höheren Aufwendungen in der Forschung. Die nach den Methoden vieler Rankings zu einer höheren Platzierung führen. Masse statt Klasse.

Abseits solcher Verschwörungstheorien hat die Wahl des Rankings direkte Auswirkungen für die Studenten und Absolventen. Wenn etwa die Auswahl eines Bewerbers auch auf dem Ranking der besuchten Universität basiert und das zu Rate gezogene Ranking auf Forschungsveröffentlichungen beruht und nicht auf der Qualität der Lehre. Sollte ein Studieninteressierter nach einer passenden Hochschule suchen, sollte doch die Lehre der Universität im Vordergrund stehen und nicht unmittelbar deren wissenschaftliche Veröffentlichungen. In diesem Falle würden auch die Fachhochschulen nicht komplett durch das Raster fallen. Die meisten Absolventen von Bachelor- und Masterprogrammen landen ohnehin nicht in der universitären Forschung, sondern in der freien Wirtschaft.

Es muss nicht immer Universität Harvard sein: Selten sagt ein Ranking etwas über die Lehre aus, mehr über Publikationen und Forschung.

Es muss nicht immer Universität Harvard sein: Selten sagt ein Ranking etwas über die Lehre aus, mehr über Publikationen und Forschung.

 

Wissen, wonach man sucht

Ein Weg, Hochschulen in Ranglisten einzuordnen, wäre es, unabhängige Listen für Lehre, Forschung und andere Kriterien zu führen. Und zusätzlich sogar spezifische Studiengänge zwischen den einzelnen Hochschulen zu bewerten und nicht die Hochschule insgesamt auf eine einzige Zahl herunter zu brechen. Derartige Bewertungslisten gibt es bereits. So konnte die FH Aachen stolz den ersten Platz für Maschinenbau in 2015 verkünden, gekürt von der WirtschaftsWoche, die regelmäßig Personalmanager nach den bestausgebildeten Absolventen in ihren Betrieben befragt.

Und tatsächlich erreichen Fachhochschulen international Spitzenplätze, wenn man die passenden Kriterien anlegt. Aufgrund der Schwierigkeit, Forschungsprojekte durchzuführen, bilden Fachhochschulen häufig Kooperationen mit mittleren und kleinen Unternehmen aus der Region. Im Rankingsystem U-Multirank, das von der europäischen Kommission in Auftrag gegeben wurde und mithilfe einer Fülle von Leistungsindikatoren eine Alternative zu internationalen Rankingsystemen darstellen soll, belegen deutsche Fachhochschulen die ersten drei Plätze in der Kategorie „Publikationen mit Partnern aus der Industrie“. Namentlich sind es die FH Reutlingen, Technische Hochschule Nürnberg und FH München, welche das Feld anführen. Durch die Verknüpfung der Fachhochschulen mit lokalen und regionalen Unternehmen, so könnte man argumentieren, entstehen Vorteile für die Städte, da Studenten, welche die Stadt sonst nach dem Studium verlassen würden, in den Betrieben gehalten werden könnten. Ohnehin sind die angebotenen Studiengänge in Fachhochschulen vergleichsweise eher praxis- und berufsorientiert und ermöglichen somit einen raschen Einstieg, sowie die Notwendigkeit der Kooperation. Am Ende ist die Frage des Rankings eine Frage der Perspektive.

 

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