Die PISA Studie 2016: Handlungsbedarf trotz stabiler Ergebnisse

PISA Studie 2016
Deutschland bleibt im internationalen Bereich in puncto Bildung im oberen Mittelfeld – das zeigt nun die jüngst erschienene PISA Studie 2016. Schülerinnen und Schüler aus insgesamt 72 Ländern stellten sich im vergangenen Jahr den Tests aus den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Lesekompetenz. Deutschland landete dabei wie beim vergangenen Test vor drei Jahren auf Platz 16. Siegerland ist Singapur gefolgt von Japan und Estland.

72 Länder im schulischen Vergleich

Die PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) ist eine Vergleichsstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die seit dem Jahr 2000 alle drei Jahre mit dem Ziel durchgeführt wird, die schulischen Leistungen von Schülerinnen und Schülern weltweit zu vergleichen.

Immer mehr Länder nehmen an der Erhebung teil: Bei der PISA Studie 2016 waren es 72 Länder, die an der Studie teilnahmen. In der vorigen Studie nahmen 65 Länder teil. Getestet werden die Schülerinnen und Schüler in drei Bereichen: Mathematik, Lesekompetenz und Naturwissenschaften. Letztere standen dieses Mal vor allem im Mittelpunkt. Bewertet werden die Tests mit einem Punktesystem. In der PISA Studie 2016 stellten sich insgesamt 540 000 15-jährige Schülerinnen und Schüler den zweistündigen Tests.

Dieser besteht sowohl aus Multiple-Choice-Aufgaben, als auch aus Fragen, deren Antworten selbstständig formuliert werden müssen. Außerdem gehört zu jedem Test ein Hintergrund-Fragebogen, bei denen die Kinder Fragen über sich, ihre Familie und Erfahrungen aus der Schule schildern müssen. Erstmals in der Geschichte der PISA-Studien wurde die aktuelle Studie komplett computergestützt durchgeführt.

Gute Leistungen, wenig Chancengleichheit

Deutschland liegt in der aktuellen PISA Studie, die am 6. Dezember 2016 erschien, mit Platz 16 von 72 im oberen Mittelfeld. Das ist ein ähnliches Ergebnis wie noch 2012: Dort belegten die deutschen Schülerinnen und Schüler ebenfalls den 16. Rangplatz, allerdings von insgesamt 65 Teilnehmerländern. Mit diesem Ergebnis schneidet Deutschland ähnlich wie das Vereinte Königreich (Platz 15), die Niederlande (Platz 17) oder die Schweiz (Platz 18) ab. Die besten Testergebnisse erzielten Singapur, Japan, Estland sowie Chinesisch Taipeh und Finnland.

Schlusslichter bilden der Kosovo, Algerien und die Dominikanische Republik.

Der deutsche „Pisa-Schock“ von 2001 scheint überwunden. Damals hatten deutsche Schülerinnen und Schüler überraschend schlecht abgeschnitten. Seitdem hat sich Deutschland in den letzten Vergleichsstudien kontinuierlich verbessert. Dieses Mal zeigt sich allerdings keine weitere Aufwärtstendenz.

Im Testbereich Naturwissenschaften erzielten die 15-järhigen mit 509 Punkten etwas weniger Punkte als im Jahr 2012. Damals waren es noch 524 Punkte. Auch die Punktzahl im Fach Mathematik ist leicht gesunken: Waren es im Jahr 2012 noch 514 Punkte, so erreichten deutsche Schülerinnen und Schüler im Jahr 2015 lediglich 506 Punkte. Zum Vergleich: Die 15-Jährigen aus dem Siegerland Singapur erreichten in den Naturwissenschaften 556 und im Bereich Mathematik 564 Punkte. Im Bereich Lesekompetenz erreichten deutsche Kinder jedoch das beste Ergebnis seit der ersten Studie 2001 mit 509 Punkten. Alle drei Ergebnisse liegen über dem OECD-Durchschnitt.

Der „Teufel“ steckt im Detail

Die Testergebnisse enthüllen, dass es in Deutschland nach wie vor große Unterschiede zwischen den Leistungen von Jungen und Mädchen gibt. Während die Jungen in Mathematik und den Naturwissenschaften besser abschnitten, lagen die Mädchen im Bereich Lesekompetenz klar vorne.

Deutschland hat den PISA Schock von 2011 überwunden

Deutschland hat den PISA Schock von 2011 überwunden

Naturwissenschaften haben bei den Schülerinnen und Schülern in Deutschland aber trotz insgesamt recht ansehnlicher Ergebnisse einen schlechten Stand: Nur sehr wenige der 15-Jährigen können sich eine spätere Karriere im Bereich Naturwissenschaften vorstellen. Lediglich etwa 17% der Jungen und 13% der Mädchen ziehen diesen Bereich für die spätere Berufsausübung in Erwägung. Damit liegt Deutschland in der Vergleichsstudie auf dem drittletzten Platz und somit klar unter dem OECD-Durchschnitt: Dieser liegt für die Jungen bei 25%, bei den Mädchen bei etwa 24%.

Chancenungleichheit herrscht in Deutschland jedoch nicht nur hinsichtlich des Geschlechts: Auch der soziale Hintergrund spielt bei schulischen Leistungen eine große Rolle. Auch wenn sich die Ergebnisse im Vergleich zu vorherigen Studien etwas verbessert haben, gibt es nach wie vor eindeutige Leistungsunterschiede zwischen sozial besser und schlechter gestellten Kindern. Der Bildungshintergrund der Eltern sowie der soziale Status zeigen nach wie vor einen großen Einfluss auf den Bildungserfolg der Kinder.

Ungleiche Chancen durch frühe Selektion

Doch auch wenn sich Deutschland mit seinen schulischen Leistungen im oberen Bereich der Rangliste befindet, gibt es noch in vielen Punkten Rückstände aufzuholen, um sich mit Ländern wie Singapur oder Estland messen zu können.

Vor allem wenn es um Chancengleichheit geht, gibt es im deutschen Schulsystem großen Handlungsbedarf. Zu eng ist der schulische Erfolg noch an die soziale Herkunft gebunden. Das überrascht, schließlich ist Deutschland eines der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt.

Häufig kritisiert wird nach wie vor das gegliederte Schulsystem, das in Deutschland in weiten Teilen nach wie vor herrscht. Die Aufteilung in Schulformen wie Gymnasium, Real- oder Hauptschule trennt stärkere und schwächere Schülerinnen und Schüler schon früh. Durch diese Selektion ist kein gemeinsames mit- und voneinander Lernen möglich. Genau das ist aber eine wichtige Komponente, um allen Kindern gleiche Möglichkeiten im Bildungssystem zu gewährleisten.

Ein gutes Bildungssystem sollte zum Ziel haben, dass Kinder individuell gefördert werden. Wird nach wenigen Schuljahren bereits zwischen verschiedenen Formen der weiterführenden Schulen aufgeteilt, können lernschwächere Kinder nicht gemeinsam mit lernstärkeren Kindern arbeiten. So ist keine ganzheitliche Förderung möglich, denn Kinder lernen eben nicht nur von Lehrern oder Eltern. Auch die Mitschülerinnen und Mitschüler haben einen großen Einfluss auf den Lernerfolg. Durch langes gemeinsames Lernen könnte der große Einfluss der sozialen Herkunft auf den individuellen Bildungserfolg verringert werden.

 Bildquelle: Bigstock
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