Abendgymnasium

Auf einem Abendgymnasium können Berufstätige Schulabschlüsse wie das Abitur oder die Fachhochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg nachholen, ohne ihre Berufstätigkeit dafür unterbrechen zu müssen. Für die Erlangung der Fachhochschulreife werden je nach Vorbildung zwei bis drei Jahre angesetzt.

Der Unterricht an einem Abendgymnasium findet mit etwa 20 Unterrichtsstunden pro Woche abends und manchmal auch am Wochenende statt. Zusätzlich müssen die Schüler noch einen erheblichen Zeitaufwand für Hausaufgaben sowie Klausuren- und Prüfungsvorbereitungen einkalkulieren.

Da Bildung in Deutschland Ländersache ist, können sich die Voraussetzungen für die Aufnahme der Ausbildung je nach Bundesland unterscheiden. Generell gilt aber, dass Schüler zu Beginn ihrer Ausbildung auf dem Abendgymnasium mindestens 19 Jahre alt sein, eine Berufsausbildung abgeschlossen haben oder drei Jahre berufstätig gewesen sein müssen. Auf die Dauer der Berufstätigkeit werden jedoch Wehr- und Zivildienst, Arbeitslosigkeit und das Führen eines Familienhaushaltes angerechnet.

Bei einigen Abendgymnasien muss eine Aufnahmeprüfung abgelegt werden, andere verlangen einen Haupt- oder Realschulabschluss. Dies ist aber nicht überall der Fall, deswegen sollte man sich vor Ausbildungsbeginn eingehend über die Zugangsvoraussetzungen informieren.

Computerraum Abendgymnasium

Auf einem Abendgymnasium werden wie auf einem Regelgymnasium alle klassischen Fächer unterrichtet wie die Hauptfächer Deutsch, Mathematik und Englisch, zusätzliche Sprachen wie Französisch, Spanisch und Latein, Naturwissenschaften wie Biologie, Physik und Chemie und Gesellschaftswissenschaften wie Erdkunde, Geschichte und Soziologie. Zusätzliche Fächer wie Literatur oder Informatik können je nach gewünschtem Schwerpunkt belegt werden. Fächer wie Sport, Religion, Musik und Kunst werden nur an einigen Abendgymnasien angeboten.

Eine Hürde könnte im sprachlichen Bereich liegen, da viele Abendschüler mit Haupt- oder Realschulhintergrund nicht über die geforderten Kenntnisse einer zweiten Fremdsprache verfügen. Mitunter kann eine nichtdeutsche Muttersprache als zweite Fremdsprache anerkannt werden, ansonsten können Grundkenntnisse einer zweiten Fremdsprache in einem Vorsemester erworben werden.

Klassenzimmer Abendgymnasium

Klassenzimmer Abendgymnasium

In den meisten Bundesländern gilt ein Abendgymnasium als staatliche Regelschule, es fallen also keine Ausbildungskosten an. In Baden-Württemberg und Bayern wurde der zweite Bildungsweg jedoch weitgehend privatisiert, so dass hier Schulgeld erhoben werden kann. In vielen Bundesländern herrscht Lernmittelfreiheit, für die Unterrichtsmaterialien, abgesehen von individuellen Arbeitsmitteln, entstehen also keine Kosten.

Da der Unterricht so ausgelegt ist, dass er neben einer Berufstätigkeit stattfinden kann, sind auch die Lebenshaltungskosten des Schülers gesichert. Falls sich die Schüler in der letzten Phase ganz besonders auf ihre Ausbildung auf dem Abendgymnasium konzentrieren und ihre Berufstätigkeit reduzieren möchten, können sie für die letzten drei Semester BAföG beantragen, das rückzahlungsfrei und unabhängig vom Elterneinkommen gewährt wird.